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No Go Trainingsmethoden zur Leinenführigkeit!

Die zuständigen Veterinäramter haben auf Grund der nicht ganz eindeutigen Formulierungen im Tierschutzgesetz inzwischen klare und deutliche Formulierungen eingeführt, welche Hilfsmittel eindeutig als tierschutzrelevante und somit verbotene Mittel gelten:

  • Stachelhalsbänder (auch Korallenhalsbänder, Stachler, genannt)

  • Elektroreizgeräte (auch Teletakt, Ferntrainer, Stromreizgerät, genannt)

  • Würgehalsbänder ohne Zugstop, sowie in der Wirkung vergleichbare Führsysteme wie z. B. Moxonleinen ohne Zugstopp (auch Kettenhalsband, Würger, genannt)

  • Erziehungs-Geschirre mit Zugwirkung unter den Achselhöhlen, sowie in der Wirkung Vergleichbares, wie z. B. Flankengurte, Lendenleinen, Nierenschlingen

  • Bell-Stop-Geräte, elektrisch, chemisch, geräusch- und luftstoßerzeugend (auch Anti-Bell-Mittel, Erziehungsspray, Anti-Bellhalsband,... genannt)

  • unsichtbare Zäune/Arealbegrenzer (auch Dog Trace Fence, Hundezaun, ..., genannt)

  • ferngesteuerte Sprühstoßhalsbänder sowie in der Wirkung vergleichbare Geräte (auch Hunderziehungsferntrainer, Pet Trainer, Erziehungshalsband mit Spray, .. genannt)

Zusätzlich wurde in der Erlaubnis zur Ausübung der Tätigkeit als Hundetrainer klargestellt, dass Hundehalter und andere teilnehmende Personen während der Ausbildungszeiten weder tierschutzwidrige Hilfsmittel noch tierschutzwidriges Zubehör anwenden, vorhalten oder außerhalb dieser Zeiten empfehlen dürfen. Diese Maßnahme wurde aus folgendem Grund getroffen:

Die genannten verbotenen Hilfsmittel stehen in ihrer Wirkung in Verbindung mit Schmerzen, Leiden und/oder Schäden beim Hund. Ihr Einsatz birgt ein zu hohes Risiko, unerwünschte Assoziationen des Hundes mit gleichzeitig aufgenommenen Reizen aus der Alltagsumwelt zu provozieren. Das resultierende Verhalten des betroffenen Hundes ist weder vorhersehbar noch beherrschbar, wodurch das Gefahrenpotential das theoretisch denkbare und beabsichtigte Lernergebnis unter idealen Bedingungen (u. a. bezüglich Timing, Intensität, Konsequenz, Abwesenheit von Umweltreizen, vorerfahrungslose Lernfähigkeit des Hundes) regelmäßig überwiegt. Es gibt schonendere Alternativen zur Ausbildung von Hunden, die nicht mit vergleichbaren Beeinträchtigungen für den Hund und Gefahren für die Umwelt einhergehen.


Dies sollte daher mittlerweile jedem Hundetrainer, Hundepsychologen, Hundecoach bewusst sein, sofern er über eine entsprechende Erlaubnis verfügt. Unerwünschtes Verhalten eines Hundes betrachte wir stets als Symptom, und dessen Unterdrückung, die bei jeder Form von Bestrafung erfolgt, ist nicht nur unfair, sondern kann, wie auch vom Veterinäramt oben bestätigt, äußerst gefährlich und tierschutzwidrig sein.


Da wir wissen, dass in Hundeschulen (auch in unserer Umgebung) weiterhin Trainingstipps gegeben werden, die erhebliches Tierleid verursachen und von Hundehaltern als Hinweis des Profis, an den sie sich vertrauensvoll gewandt haben, ernst genommen wenn, wollen wir in diesem Blogbeitrag ganz klar und deutlich machen, welche Methoden Hunden erhebliches Leid zufügen können.. In Übereinstimmung mit meiner persönlichen Überzeugung kommen in unserem Training keinerlei aversive Hilfsmittel oder Methoden zum Einsatz, darunter fallen auch (Fisher) Discs, Sprühflaschen, Wasserpistolen, Rappeldosen, Wurfketten, Leinenruck, Anzischen, Erschrecken, Abdrängen, Anschreien, Kneifen, Anschnipsen, an Fell und/oder Haut festhalten, auf Pfoten treten, in die Flanke stupsen oder gar treten.


Erziehungsgeschirre - Achselleine - Lendenleine

Die in einschlägigen Kreisen als "Lendenleine" bezeichnete Leine ist in der Öffentlichkeit glücklicherweise relativ wenig bekannt. Die sogenannte Achselleine hingegen wird in uns bekannten Hundeschulen als Hilfsmittel zur Leinenführigkeit des Hundes dargestellt. Zudem gibt es spezielle Geschirre, die darauf ausgelegt sind, unter den Achseln des Hundes einzuschneiden, wenn dieser an der Leine zieht. Aufgrund der potenziellen Gefahren, die mit diesen Hilfsmitteln einhergehen können, soll es hier genauer betrachtet werden.

Die Lenden- bzw. Nierenleine ist eine längere Leine, oft aus einer dünnen Nylonschnur gefertigt. Sie wird mit einem Karabiner im Halsband des Hundes befestigt und verläuft dann entlang des Rückens bis zu einem zweiten Ring auf Höhe des Nieren- oder Genitalbereichs. Die Leine oder Schnur wird um den Bauch des Hundes gelegt und durch diesen Ring gefädelt. Bei der Achselleine wird gleichermaßen vorgegangen, allerdings wird die Leine hinter den Vorderbeinen des Hundes gewickelt.

Zweck dieser Konstruktion ist es, dass der Zug an der Leine, sei es durch den Menschen oder den Hund selbst, die Schlaufe um den Bauchbereich bzw. in den Achseln zusammenzieht. Dies führt zwangsläufig zu Quetschungen der Organe, insbesondere der Nieren, die sich beim Hund direkt hinter den letzten Rippenbögen befinden – eine äußerst schmerzhafte Region bzw. verursacht erhebliche Schmerzen im Bereich der Achseln des Hundes. Auf Grund dieser Schmerzen wird der Hund aufhören an der Leine zu ziehen, allerdings nicht, weil er verstanden hat, welches Verhalten gewünscht ist sondern um den Schmerz zu mildern. Equipment ersetzt niemals Training.

Traurigerweise wird dieser "Trick" vor allem für Hunde empfohlen, die aufgrund übermäßiger Korrekturen mit verschiedenen Halsbandformen bereits unempfindlich im Halsbereich geworden sind oder deren Halter aufgrund von körperlichen Kräfteverhältnissen nicht in der Lage sind, ihren Hund angemessen durch ein Halsband zu korrigieren.

Vor dem Hintergrund der intensiven Schmerzen wird der Hund höchstwahrscheinlich in ein Meideverhalten fallen und aus Unsicherheit sowie Angst vor weiteren Schmerzen einen weiteren Leinenzug vermeiden wollen. Obwohl Trainer und Erfinder dieses Hilfsmittels diesen Effekt als Erfolg werten, zeigt ein Hund, der lediglich aus Angst vor Schmerzen ein Meideverhalten zeigt, noch nicht, wie und warum er angemessen an einer Leine laufen soll. Es wird weder eine Orientierung am Menschen stattfinden noch wird eine vertrauensvolle Mensch-Hund-Beziehung aufgebaut. Der Hund hat nicht gelernt, welches Verhalten erwünscht ist, sondern nur, dass diese Leine zu starken Schmerzen führt.

Abgesehen von der ethisch fragwürdigen Form der Korrektur ist das Timing dieser intensiven, physischen Maßregelung äußerst zweifelhaft. Es wird nicht zu dem oft angestrebten Ergebnis führen, dass der Hund auf ein Signal hin hinter seinen Menschen tritt, die Führung in schwierigen Situationen wie z. B. Hundebegegnungen überlässt und sich am Menschen orientiert. Die Maßregelung erfolgt erst, wenn sich der Hund auf Leinenlänge vor dem Menschen befindet. Somit wird der Hund lediglich auf eine äußerst schmerzhafte und tierschutzrelevante Art des "Trainings" lernen, einen Leinenzug zu vermeiden. Diese Leine kann keinesfalls ein angemessenes und schrittweises Leinenführigkeitstraining ersetzen, bei dem der Hund lernt, dem Menschen zu vertrauen und sich von ihm an der Leine führen zu lassen.


Die Achselleine:

Die Lendenleine:


Sowohl Achsel- als auch Lendenleine wurden Chilly nur kurz und ganz locker für das Foto angelegt, und man erkennt wie toll sie das findet!


Der Leinenruck

Die Anwendung des Leinenrucks stellt nicht nur eine unangenehme bis schmerzhafte, sondern vor allem eine gesundheitlich bedenkliche Beeinträchtigung an einem äußerst sensiblen Körperteil des Hundes dar. Dieser Zug kommt zum Einsatz, wenn der Mensch meint, dass der Hund etwas falsch, nicht richtig, nicht schnell genug oder in vergleichbaren Situationen agiert.

Der Leinenruck etabliert sich oft als selbstverstärkender Mechanismus, bei dem der Hund während gewöhnlicher Spaziergänge in verschiedenen Situationen und für diverse Verhaltensweisen häufig geruckt wird. Beispiele hierfür sind das Drängeln durch die Tür nach draußen, das Ziehen an der Leine, das Begrüßen eines bekannten Menschen oder Hundes, das Anbellen eines anderen Hundes, das Auffordern zum Sitzmachen an einer Straße, das Weiterschreiten oder auch das Auffordern zur Aufmerksamkeit. Diese Liste lässt sich weiter ergänzen.

Es stellt sich die Frage, ob der Hund diese Art der Erziehung wirklich versteht. Um den Leinenruck zu verstehen, müsste der Hund jeden Ruck mit seinem vermeintlichen Fehlverhalten verknüpfen können. Er müsste nicht nur bei jedem Ruck erkennen, was er falsch gemacht hat, sondern auch ohne klare menschliche Anleitung wissen, wie er sich zukünftig besser verhalten soll. Die Aussichten auf Erfolg bei einer dauerhaften Anwendung des Leinenrucks sind daher eher ungünstig.

Die Verwendung des Leinenrucks als Erziehungsmethode ist nicht nur unfair, aufgrund möglicher Fehlverknüpfungen und gesundheitlicher Risiken gefährlich, sondern wird vom Hund auch nicht verstanden und ist somit unnötig. Manche Hunde mögen zwar ihr Verhalten aufgrund dieser Methode ändern, jedoch nicht aus einem Verständnis heraus, sondern weil sie aufgrund ihrer Sensibilität ihr Verhalten unterdrücken und es vorziehen, gar keine Handlung zu setzen, um Fehler zu vermeiden. Dies stellt eine unerwünschte Lebensweise für Hunde dar.

Es existieren zahlreiche gewaltfreie Alternativen, um die genannten Situationen zu trainieren, ohne auf gesundheitlich schädliche Erziehungsmethoden zurückzugreifen.Der Leinenruck findet in der zeitgemäßen Hundeerziehung keinen Platz aber auch dieser wird in uns bekannten Hundeschulen weiterhin angewendet und von Hundebesitzern, als Erziehungsmethode, die der Profi empfiehlt angewendet.



Elektrohalsbänder - Vibrationshalsbänder - Sprühhalsbänder


Obwohl einige Erziehungshalsbänder, wie Teletakt- und Vibrationshalsbänder für Hunde, aus Tierschutzgründen verboten sind, existieren bedauerlicherweise weiterhin schädliche Methoden, die rechtlich zulässig sind. Zu diesen gehören Sprühhalsbänder, die Hunde ähnlich wie Elektroreizgeräte emotional belasten können und zu psychischen Problemen führen können, da der Hund dem "Schockeffekt" ausgesetzt ist. Es wird argumentiert, dass die einzig korrekte Trainingsmethode der Einsatz positiver Verstärkung ist, wohingegen Bestrafung vermieden werden sollte, da dies die Beziehung zwischen Mensch und Hund negativ beeinflussen kann.


Stachelhalsbänder

Halsbänder mit freiliegenden Stacheln, die im Extremfall sogar angespitzt sind und zu offenen Verletzungen führen können, sind zweifellos im Kontext des Tierschutzes von Relevanz. Darüber hinaus können Quetschungen im Halsbereich zu erheblichen Verletzungen führen, wie beispielsweise zu Blutergüssen oder schwerwiegenden Quetschungen der Luftröhre oder des Kehlkopfes. Infolgedessen sind sämtliche Stachelhalsbänder für den Gebrauch an Hunden ungeeignet, unabhängig davon, ob sie mit Noppen an den Stacheln versehen sind oder nicht. Diese Einschätzung bezieht sich selbstverständlich auch auf Halsbänder mit verdeckten Stacheln, wie beispielsweise das Oberländer Halsband, bei dem die Stacheln unter einem Lederhalsband verborgen sind und somit äußerlich nicht sichtbar sind. Auch Stachelhalsbänder, die durch ein schickes Halstuch kaschiert werden verursachen Schmerzen. Und ja: auch vermeintlich flache Metallplättchen, die sich in den Hundehals bohren sind schmerzhaft.




Würger


Beim Ziehen an der Leine zieht sich das Halsband stetig enger, was dazu führt, dass dem Tier die Luft abgeschnürt wird und ihm Schmerzen zugefügt werden. Der Einsatz von Würgeketten kann zu erheblichen Schäden an verschiedenen Körperteilen wie der Halswirbelsäule, der Luft- und Speiseröhre, dem Kehlkopf, dem Bindegewebe und der Gesichtsmuskulatur führen, und darüber hinaus einen erhöhten Augendruck verursachen. Diese Auswirkungen stellen bedeutende Beeinträchtigungen des Organismus dar und gehen mit Schmerzen für den Hund einher. Selbst bei vorsichtigem Ziehen am Halsband können diese Effekte nicht verhindert werden, da Situationen auftreten können, in denen der Hund mit großer Kraft nach vorne zieht, sei es aus Angst oder aufgrund einer vorbeilaufenden Katze. Der Einsatz von Würgeketten beeinträchtigt zudem die Reizbarkeit und Stresstoleranz der Hunde durch die damit verbundenen Schmerzen und Assoziationen negativ. Auch Würger müssen nicht unbedingt Kettenhalsbänder sein, oft findet man sie auch aus Tau oder als "Retrieverleinen" ohne Stopp! Achtet daher immer darauf Zugstopphalsbänder und Retrieverleinen mit Stopp zu verwenden.




dünne Erziehungshalsbänder:


Auch die sogenannten Erziehungshalsbänder haben beim Training der Leinenführigkeit nichts verloren. Auch hier wird mit Hilfe eines seht dünnen Halsbandes, oft aus Seil aber auch aus Leder und ähnlichem oft direkt hinter dem Kopf des Hundes am Hals ein Schmerzimpuls gesetzt. Auch hier zeigt der Hund das "gewünschte" Verhalten an der Leine, nur um dem Schmerz und der Angst zu Ersticken zu entgehen. rletzungsrisiko: Dünne Halsbänder können die empfindliche Halspartie des Hundes stark belasten und sogar Verletzungen verursachen, insbesondere wenn der Hund zieht oder ruckartig an der Leine zieht. Die dünnen Halsbänder können unangenehm sein und dem Hund Schmerzen verursachen, was zu negativen Assoziationen mit dem Training und möglicherweise zu Verhaltensproblemen führen kann.Die Verwendung eines dünnen Halsbands kann das Risiko von Halsverletzungen erhöhen, insbesondere bei Hunden mit empfindlichen Halsstrukturen wie Windhunden oder kleinen Rassen. Aber auch für große Hunde sind diese Halsbänder gesundheitlich sehr gefährlich auf Grund der Kräfte, die durch das Körpergewicht des Hundes wirken. Als Faustregel sollte man sich unbedingt merken, dass das Halsband des Hundes so breit sein sollte, wie der Nasenschwamm des Hundes. Ist dies nicht der Fall, ist das Halsband zu dünn und damit ein erhebliches Gesundheitsrisiko.


Zusammenfassend haben alle diese No Gos negative Auswirkungen auf das Vertrauensverhältnis und führen meistens zu einem gestörten Bindungsprozess.

Für ein effektives und tierschonendes Training der Leinenführigkeit empfehlen wir, auf Methoden zurückzugreifen, die auf positiver Verstärkung basieren und den Hund motivieren, korrektes Verhalten freiwillig auszuführen.



Die Ausführungen zu den eingesetzten Methoden zum vermeintlichen "Training" der Leinenführigkeit haben wir bei denjeneigen Methoden, die vermeintlich als harmlos erscheinen ausführlicher dargestellt. Wichtig ist uns aber nicht die Besitzer, die solche Methoden auf Anraten von Trainern oder auf Grund von Empfehlungen anwenden zu verurteilen, meistens liegt eine lange Leidensgeschichte mit intensiv ziehendem Hund zu Grunde. Aus dieser Not heraus wenden sich Hundebesitzer dann an "Profis" die, davon müssen wir leider ausgehen, nicht auf dem aktuellsten Stand in Sachen Tierschutzgesetz und Lerntheorie sind. Unser Anliegen ist hier zu helfen und Hunden eine Chance zu geben, das gewünschte Verhalten lernen zu können! Hunde ziehen nicht an der Leine, um Ungehorsam zu zeigen, sondern aufgrund verschiedenster Gründe, die für Hundehalter oft schwer nachvollziehbar sind. Diese Ursachen können von Stress, Unsicherheit, Aggressionsverhalten bis hin zu intensiver Angst reichen. Der Hund wird daher in einer ohnehin schon unangenehmen Situation zusätzlich mit Schmerzen bestraft. Ein Hundebesitzer, der eine vertrauensvolle Beziehung zu seinem Hund aufbauen möchte, wird dieses Ziel nicht erreichen, wenn er bei seinem Hund Schmerzen und Angst hervorruft.


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