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Welpenspielstunde?

Welpenspielstunden können für viele Hundebesitzer eine verlockende Option sein, um ihrem neuen Welpen die Möglichkeit zu geben, soziale Interaktionen mit anderen Hunden zu haben. Diese Veranstaltungen können jedoch tatsächlich mehr Schaden als Nutzen bringen, insbesondere wenn der Welpe noch sehr jung ist.


Wir wollen gerne einige Gründe erläutern, warum Welpen nicht in Welpenspielstunden gehen sollten:


Überforderung und Stress

Welpen, insbesondere sehr junge, sind oft noch nicht bereit für die Stimulation und den Stress, der mit einer Welpenspielstunde einhergeht. Es kann überwältigend sein, mit vielen anderen Welpen und Hunden in einem Raum zu sein, insbesondere wenn sie noch nicht vollständig geimpft sind oder andere Gesundheitsprobleme haben. Außerdem sollte der Fokus auf den Halter und der gemeinsame Spass sowie das gemeinsame Lernen im Vordergrund der ersten gemeinsamen Wochen stehen.


Falsche soziale Interaktion

In Welpenspielstunden kann es schwierig sein, sicherzustellen, dass alle Welpen angemessen miteinander interagieren. Einige Welpen können zu aufdringlich oder aggressiv sein, während andere schüchtern oder ängstlich sind. Wenn die Interaktionen nicht gut überwacht werden, kann dies zu schlechten Erfahrungen für den Welpen und sogar zu Verhaltensproblemen in der Zukunft führen. Solche tief geprägten Erfahrungen können später oftmals nur mit sehr intensivem Training wieder in Ordnung gebracht werden.


Verbreitung von Krankheiten

Welpen sind anfälliger für Krankheiten als erwachsene Hunde. In einer Welpenspielstunde kann die Anzahl der Welpen, die möglicherweise noch nicht vollständig geimpft sind, die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Krankheit ausgebreitet wird. Es ist wichtig, sicherzustellen, dass der Welpe alle notwendigen Impfungen hat, bevor er mit anderen Hunden interagiert und körperlichen Kontakt hat.


Fehlende Beaufsichtigung

In manchen Welpenspielstunden gibt es keine oder nur unzureichende Überwachung durch den Veranstalter. Das bedeutet, dass es niemanden gibt, der sicherstellt, dass die Welpen sicher und angemessen miteinander interagieren. Wenn ein Welpe verletzt wird oder in Schwierigkeiten gerät, kann niemand helfen.


Stattdessen sollten Hundebesitzer alternative Möglichkeiten in Betracht ziehen, um ihren Welpen sozialisiert und trainiert zu halten. Einzeltrainingseinheiten mit einem professionellen Hundetrainer können eine bessere Option sein, da der Trainer das Training auf den individuellen Bedarf des Welpen abstimmen kann. Auch Welpenkurse in denen der Fokus auf dem lernen im Umfeld mit anderen Hunden liegt, können sehr sinnvoll sein. Der Hund lernt dabei, dass mit seinem Menschen gemeinsam der Spaß stattfindet und nicht im Toben mit anderen Hunden.Die Erfahrung hat gezeigt, dass Welpen, die regelmäßig eine Spielgruppe besucht haben, in der wildes und ausgelassenes Spielen und Toben mit vielen anderen Welpen die Regel war, es später weitaus schwerer haben sich in Anwesenheit anderer Hunde auf Ihren Menschen zu konzentrieren.


Zudem besteht die Gefahr, dass bei Alters- und Größenunterschieden der Welpen, einige Welpen, meist die größeren, Gefallen an grobem Spielverhalten finden und andere überrennen. Die kleineren Welpen machen dadurch direkt unangenehme Erfahrungen mit größeren Artgenossen und werden unter Umständen gezwungen sich durch Zähne zeigen, Knurren und Abschnappen zu wehren. Hunde sollten nicht “unter sich” alles regeln müssen, denn in einer natürlichen familiären Hundegruppe übernehmen auch die Alttiere die Aufsicht über die kleinen und greifen bei allzu groben und wildem Spiel unter den Jungtieren ein. Es ist auch wichtig zu bedenken, dass Welpen noch nicht gelernt haben, ihr Verhalten zu kontrollieren und möglicherweise überreagieren oder ihre Kräfte nicht einschätzen können, was zu Verletzungen oder Unfällen führen kann.


Selbstverständlich haben Welpen Spaß daran mit Gleichaltrigen zu Spielen, und gelegentliche Zusammentreffen mit Gleichaltrigen, sowie mit erwachsenen Hunden ist in jedem Fall wichtig für das Sozialverhalten. Der Alltag bietet genug Gelegenheiten bei alltäglichen Spaziergängen, den einen oder anderen Artgenossen zu treffen und die hundliche Kommunikation zu üben. Etwa 1-2 Begegnungen pro Tag mit verschieden Hunden reichen völlig aus, um die Grundlage für eine gute Sozialkompetenz zu schaffen. Zusätzlich können auch Treffen mit anderen Hunden (auch gerne Erwachsenen Hunden) in kleineren Gruppen oder zu zweit arrangiert werden, um eine angemessene soziale Interaktion zu ermöglichen. Der Welpe lernt dann sehr schnell, welche Verhaltensweisen angemessen sind und welche eher nicht geduldet werden.


Hier ist es wichtig noch kurz zum Thema Welpenschutz aufzuklären:

Der Mythos des Welpenschutzes besagt, dass erwachsene Hunde Welpen aufgrund ihres jugendlichen Alters und ihrer Unschuld schützen werden, indem sie sie nicht angreifen oder verletzen. Dieser Mythos ist jedoch irreführend und kann dazu führen, dass Hundebesitzer und Welpen unangemessenen Risiken ausgesetzt werden. Tatsächlich gibt es keine Garantie dafür, dass ein erwachsener Hund einen Welpen nicht angreift oder verletzt. Obwohl es Fälle gibt, in denen erwachsene Hunde Welpen tolerieren und sogar beschützen, hängt dies oft von der Persönlichkeit und den Erfahrungen des einzelnen Hundes ab. Einige erwachsene Hunde können Welpen als Bedrohung für ihr Territorium oder ihre Ressourcen sehen und aggressive Reaktionen zeigen.


Und zu guter Letzt:

Es gibt auch wissenschaftliche Erkenntnisse, die die Bedenken gegenüber Welpenspielstunden unterstützen. Eine Studie aus dem Jahr 2017, die in der Zeitschrift "Veterinary Medicine and Science" veröffentlicht wurde, ergab, dass Welpen, die regelmäßig an Welpenspielstunden teilnehmen, ein höheres Risiko für Verhaltensprobleme aufweisen als solche, die keine Spielstunden besuchen. Diese Verhaltensprobleme können Aggressionen, Ängstlichkeit und Hyperaktivität umfassen.

Eine weitere Studie, die 2018 in der Zeitschrift "Applied Animal Behaviour Science" veröffentlicht wurde, untersuchte die Auswirkungen von Welpenspielstunden auf die Gesundheit von Welpen. Die Studie ergab, dass Welpen, die regelmäßig an Welpenspielstunden teilnehmen, ein höheres Risiko haben, an Infektionskrankheiten zu erkranken, als solche, die nicht an Spielstunden teilnehmen.


Es ist wichtig, dass Welpen in einer kontrollierten Umgebung sozialisiert werden und die Interaktionen mit anderen Hunden in einem sicheren und gesunden Umfeld stattfinden. Ein professioneller Hundetrainer kann dabei helfen, den Welpen auf eine sichere und effektive Art und Weise sozialisiert zu halten. Darüber hinaus können alternative Methoden wie beispielsweise Spaziergänge in der Nachbarschaft oder Spielgruppen mit anderen Hundebesitzern ebenfalls hilfreich sein, um den Welpen sozialisiert zu halten.


Man sollte außerdem bedenken, dass die Sozialisierung eines Welpen ein wichtiger Teil seiner Entwicklung ist, aber dies sollte auf eine sichere und kontrollierte Art und Weise geschehen. Eine gute Regel ist es, Welpen ab dem Alter von 12 Wochen langsam und kontrolliert an andere Hunde zu gewöhnen, um sicherzustellen, dass sie positive Erfahrungen machen und gleichzeitig sicher bleiben.

Es ist wichtig, die Persönlichkeit und Bedürfnisse des einzelnen Hundes zu berücksichtigen und sicherzustellen, dass er genügend Kontakt zu Artgenossen hat, um gesund und glücklich zu bleiben. Ein professioneller Hundetrainer kann dabei helfen, die Bedürfnisse des Hundes zu verstehen und zu erfüllen. Eine Welpenspielstunde ist nicht immer die beste Option und kann tatsächlich mehr Schaden als Nutzen bringen.


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