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Flexileinen - die Schattenseiten der vermeintlichen Freiheit

Aktualisiert: 27. Juli 2023

Heute geht es um ein heiß diskutiertes Thema in der Hundewelt: Flexileinen. Auf den ersten Blick bieten sie scheinbar die perfekte Kombination aus Freiheit und Sicherheit für unsere vierbeinigen Freunde. Aber sind sie wirklich so toll, wie sie auf den ersten Blick erscheinen? Lass uns einen Blick auf die Vor- und Nachteile werfen und herausfinden, ob Flexileinen wirklich halten, was sie versprechen.


Die verlockende Freiheit Stell dir vor, du gehst mit deinem Hund spazieren, und er kann laufen und sich dennoch frei bewegen. Das klingt doch fantastisch, oder? Mit einer Flexileine scheint genau das möglich zu sein. Kein Leinenführigkeitstraining, kein lästiges Händling mit Schleppleinen - einfach entspanntes Gassigehen. Klingt verlockend, oder? Schauen wir uns das genauer an!


Im Gegensatz zu herkömmlichen Leinen, die eine feste Länge haben, sind Flexileinen einziehbar und bieten dem Hund mehr Bewegungsfreiheit. Sie bestehen normalerweise aus einem Kunststoffgehäuse, in dem sich eine elastische Leine befindet. Der Hund kann sich innerhalb eines bestimmten Radius um den Halter bewegen, während die Leine durch das Gehäuse läuft und sich je nach Bedarf verlängert oder verkürzt.


Flexileinen funktionieren mit einem mechanischen Aufrollmechanismus, der in einem Kunststoffgehäuse untergebracht ist. Das Gehäuse enthält eine federbelastete Leine, die beim Ziehen oder Ausdehnen durch den Hund aktiviert wird.

Die Leine ist normalerweise aus einem strapazierfähigen Material wie Nylon gefertigt und wird in das Gehäuse eingezogen. Am Ende der Leine befindet sich ein Karabiner für die Befestigung am Halsband oder Geschirr des Hundes.

Wenn der Hund an der Flexileine zieht oder sich vom Halter entfernt, wird die Leine aus dem Gehäuse gezogen und verlängert sich. Die eingebaute Feder im Gehäuse sorgt dafür, dass die Leine unter leichter Spannung steht. Wenn der Hund sich wieder nähert oder aufhört zu ziehen, wird die Feder aktiviert und zieht die Leine zurück in das Gehäuse.

Einige Flexileinen verfügen über eine Verriegelungsfunktion, mit der man die Leinenlänge feststellen kann. Dies ermöglicht es, die Leine auf die gewünschte Länge einzustellen und sie zu verriegeln, um die Bewegungsfreiheit des Hundes einzuschränken.


Der Name "Flexileine" setzt sich aus den Begriffen "flexibel" und "Leine" zusammen. Das Wort "flexibel" bezieht sich auf die Eigenschaft der Leine, sich auszudehnen und dem Hund mehr Bewegungsfreiheit zu geben. Durch die Verwendung des Wortes "Flexi" wird auch auf den flexiblen Aufrollmechanismus hingewiesen, der in der Leine integriert ist. Der Name "Flexileine" wurde vermutlich von einem Unternehmen oder Hersteller geprägt und hat sich im Laufe der Zeit als allgemeine Bezeichnung für dieses Art von einziehbaren Leinen etabliert.


Flexileinen bieten einige potenzielle Vorteile gegenüber herkömmlichen festen Leinen. Hier sind die Hauptvorteile:

Zugegebenermaßen kann die Flexileine durchaus ein für den Halter relativ entspanntes Spazierengehen ermöglichen. Der Hund kann laufen, wie er möchte, und ist trotzdem abgesichert. Man braucht sich keine Arbeit mit Leinenführigkeitstraining machen, man braucht sich nicht mit Schleppleinenhandling auseinandersetzen, und Rückruftraining ist auch nicht mehr wirklich wichtig, da man im Notfall ja Zugriff auf den Hund hat, ihn stoppen und zu sich ranziehen kann. Außerdem hat man diesen Kasten in der Hand, wodurch die Gefahr des Fingerquetschens nicht besteht, wenn der Hund an der Leine zieht.

  1. Bewegungsfreiheit: Eine Flexileine ermöglicht es dem Hund, einen größeren Radius um den Halter herum zu erkunden. Dies kann für den Hund angenehmer sein, da er mehr Freiheit hat, sich zu bewegen und zu schnüffeln. Das können Schleppleinen auch!

  2. Kontrolle der Leinenlänge: Mit einer Flexileine kann man die Länge der Leine anpassen und sie je nach Bedarf verkürzen oder verlängern. Dies kann besonders nützlich sein, wenn man den Hund in verschiedenen Bereichen mit unterschiedlichen Anforderungen an der Leine hat, z. B. in belebten Straßen oder in Bereichen, in denen der Hund mehr Bewegungsfreiheit haben kann. Das können Schleppleinen auch!

Schauen wir uns diese vermeintlichen Vorteile aber mal genauer an, wird schnell deutlich, dass es viel eher Nachteile sind.


Flexileinen haben auch einige potenzielle Nachteile, die berücksichtigt werden sollten:


Leider sind die vermeintlichen Vorteile der Flexileine in Wahrheit oft Nachteile.


Wie beeinflusst die Flexileine die Leinenführigkeit des Hundes?

Die Verwendung einer Flexileine hat negative Auswirkungen auf die Leinenführigkeit des Hundes. Bei der Leinenführigkeit streben wir an, dass der Hund sich entspannt an lockerer Leine an seinem Menschen orientiert, basierend auf einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Mensch und Hund. Der Hund läuft gelassen an der Leine, da der Mensch ihm Sicherheit gibt, ihn im Alltag führt, schwierige Situationen regelt und darauf achtet, dass der Hund nicht bedrängt wird. Weder zieht der Hund seinen Menschen umher, noch ruckt der Mensch an der Leine, um den Hund zu korrigieren. Das Training der Leinenführigkeit erfolgt schrittweise mit positiver Verstärkung, damit der Hund lernt, freudig an lockerer Leine zu laufen.


Der Hund lernt, an der Leine zu ziehen.

Dein Hund lernt, an der Leine zu ziehen. Er bringt Zug auf, und die Leine wird länger, und sein Bewegungsradius wird größer. Ziehen bringt ihn zum Erfolg. Deshalb hört er damit auch nicht auf, wenn die Flexi voll ausgefahren ist. Dazu kommt, dass die Flexileine immer mal wieder willkürlich vom Hundehalter gestoppt wird - für den Hund völlig überraschend und undurchschaubar und - falls die Flexi am Halsband befestigt ist - durchaus auch schmerzhaft oder zumindest unangenehm. Dein Hund nimmt die Flexileine nicht als klare Begrenzung wahr, er weiß nie, wie lang sie ist und wann sie gestoppt wird. Alles, was er lernt, ist: Ziehen lohnt sich. Ziehen verschafft Freiraum.

Wenn du an anderer Stelle also gerne möchtest, dass dein Hund locker an der normalen Führleine geht, machst du dir das Leinenführigkeitstraining unnötig schwer. Einerseits lernt dein Hund an der Flexi "Ziehen lohnt sich", andererseits möchtest du dann doch, dass er gerne nahe bei dir an lockerer Leine geht. Logisch, dass dein Hund es auch an der Führleine erst einmal mit Ziehen und Zerren versuchen wird.


Stop and Go - Fair oder nicht?

Man kann den Hund jederzeit stoppen. Aber ist das fair dem Hund gegenüber?

Wie bereits erwähnt - der Hund weiß nicht, wann er gestoppt wird. Das ist unfair ihm gegenüber. Plötzlich gibt es einen Ruck, er wird gestoppt oder sogar zum Menschen gezogen. Das ist unangenehm bis hin zu schmerzhaft. Für unsichere Hunde kann das abrupte Stoppen durch die Knopfmechanik der Flexileine und die dabei entstehenden Geräusche zu weiterer Verunsicherung führen. Eine entspannte Leinenführigkeit ist daher schwer zu erreichen.


Gefahren und Verletzungsrisiken: Die Flexileine birgt auch gewisse Gefahren. Besonders bei jungen und agilen Hunden besteht die Möglichkeit, dass sie Menschenbeine oder andere Hunde umwickeln und schwere Verletzungen verursachen. Viele Hunde laufen beim Schnüffeln oft zick-zack und können sich dabei mit einer langen Rollleine leicht an Pfosten, Bäumen und Sträuchern verheddern und sich selbst fesseln. Dies kann zu erheblichen Verletzungen führen, insbesondere bei dünnen Leinen. Außerdem kann es zu einem Ruck kommen, wenn der Hund schnell um ein Hindernis herumläuft und die Leine abrupt endet. Sogar wenn die Leine locker mit dem Stopper gehalten wird und die Taste dann losgelassen wird, rollt sich die Leine schnell auf und es kommt erneut zu einem Ruck. All diese Erfahrungen sind äußerst unangenehm und aversiv für den Hund, insbesondere wenn er am Halsband geführt wird. Insbesondere bei Flexileinen mit einer dünnen Schnur als Leine ist die Verletzungsgefahr für Mensch und Hund sehr hoch.


Es ist selten, dass der an der Flexileine befestigte Hund oder der Halter sich selbst an der Leine verletzen. Für andere freilaufende Hunde, entgegenkommende Menschen oder Radfahrer kann die Flexileine jedoch schnell zu einer großen Gefahr werden. Wenn ein frei laufender Hund sich in der Schnur verheddert, kann dies zu tiefen Schnittwunden führen. Darüber hinaus sind Hunde an der Flexileine für entgegenkommende Menschen und Hunde schwer einzuschätzen. Ein Beispiel wäre, wenn ein Radfahrer auf das Mensch-Hund-Team zukommt und der Hund in ausreichendem Abstand neben seinem Menschen ist. In diesem Moment stürmt jedoch der Hund plötzlich nach vorne. Der Halter reagiert zu spät, die Flexileine wird vom Hund herausgezogen, ohne dass der Halter den Stopp rechtzeitig aktivieren kann. Und schon ist es passiert, der Radfahrer kann nicht mehr ausweichen. Solche Unfälle passieren oft auch deshalb, weil die sehr dünne Leine für entgegenkommende Menschen und Hunde aus der Entfernung kaum sichtbar ist. Der Hund scheint frei zu laufen, und erst im letzten Moment, wenn es bereits zu einer Verwicklung gekommen ist, wird die Leine sichtbar.


Gefahr der Traumatisierung:

Stell dir vor, dem Halter rutscht der Griff der Flexileine aus der Hand, und die Leine rollt durch die automatische Aufrollfunktion unkontrolliert zum Hund und trifft ihn mit voller Wucht. Einige Hunde geraten in Panik und rennen davon - auf die Straße, in den Wald, verheddern sich, verletzen sich und können nicht mehr entkommen.


Gelegentlich funktioniert die Stopp-Taste nicht, im schlimmsten Fall genau dann, wenn der Hund auf die Straße rennt und ein Auto kommt. Das birgt auch bei Hundebegegnungen ein besonderes Konflikt- und Verletzungsrisiko.


Noch mehr Nachteile?

Darüber hinaus ist schnelles Eingreifen nicht möglich, da das Aufrollen der 5 Meter mit dem ständigen Stoppen und Ziehen ziemlich lange dauert. Wenn man dann versucht, das Band mit der Hand einzusammeln, um den Prozess zu beschleunigen und der Hund zieht, ist es schwierig, ihn gut festzuhalten, und es können erneut erhebliche Verletzungen auftreten. Abhängig von der Größe des Hundes kann auch die Schnur reißen oder der Hund kann sie in Sekundenschnelle durchbeißen


Einige Haftpflichtversicherungen decken keine Schäden ab, die durch Ausziehleinen entstehen. Zum Beispiel, wenn man den Hund beim abendlichen Spaziergang an der Flexileine führt und ein Fahrradfahrer in der Dunkelheit in die unsichtbare Leine fährt, könnte die Versicherung möglicherweise den Schaden nicht übernehmen. Zudem kann sich der Hund dabei erheblich verletzen und Fahrradfahrer als potenzielle Gefahr wahrnehmen, die er von nun an versucht zu vertreiben.


Die Ansprechbarkeit und Reaktion auf Grundsignale nehmen ab.

Aus dem einfachen Grund, dass der Mensch oft faul wird und seine Kommunikation ungenau ist! Ich beobachte sehr häufig, wie der Mensch den Hund ruft und der Hund nicht reagiert. Dann wird die Flexileine mit ruckartigen Bewegungen verwendet, um den Hund heranzuziehen. Der Hund lernt dadurch, dass er von sich aus nicht reagieren muss, denn "der/die Alte" wird ihn schon heranholen, wenn es wichtig wird... Durch den Aufbau der Flexileine (Gehäuse, Spule, Leine, Karabiner) hat der Hundehalter keinen direkten Kontakt über die Leine zu seinem Hund. Durch das Halten des Griffstücks fehlt dem Halter das direkte Feedback über die Leine, wie zum Beispiel leichte Spannung oder Lockerung der Leine. Dadurch geht das Gefühl für den Hund und seinen aktuellen Zustand verloren.


Die Kommunikation zwischen dir und deinem Hund wird eingeschränkt, das unangekündigte Stoppen kann unfair und schmerzhaft sein, Verletzungen sind möglich, und das Leinengehäuse kann Ängste auslösen. Es ist wichtig, sich nicht allein auf Hilfsmittel zu verlassen, sondern in Beziehung, Erziehung und Training mit deinem Hund zu investieren.


Fassen wir also zusammen:

Wenn du die Flexileine einfach so verwendest, hat sie meiner Meinung nach nur Nachteile:

  • Es findet keinerlei Kommunikation zwischen dir und deinem Hund statt. Er braucht nicht auf dich achten, sondern bekommt durch Ziehen an der Leine mehr Freiraum.

  • Das unangekündigte Stoppen ist unfair bis hin zu schmerzhaft für deinen Hund.

  • Es kann zu Verletzungen kommen.

  • Aus der Hand gefallen, kann das Leinengehäuse deinen Hund sehr ängstigen.

Ach, übrigens:

So wirklich abgesichert ist der Hund gar nicht.

Verlasse dich nie auf ein Hilfsmittel allein. Eine Leine (egal, welche) kann dir aus der Hand fallen, sie kann reißen, der Karabiner kann kaputt gehen, der Hund kann aus dem Halsband oder dem Geschirr schlüpfen usw. Deshalb verlasse dich so wenig wie möglich auf deine Hilfsmittel und investiere maximal in Beziehung, Erziehung und Training mit deinem Hund. Denn das wird es sein, was deinen Hund stoppt bzw. zu dir zurücklaufen lässt, wenn ein Hilfsmittel mal versagt. Bzw. braucht ein gut erzogener und trainierter Hund über weite Strecken keine Leine.


Ein Kompromiss für besondere Situationen: Natürlich gibt es Situationen, in denen eine Flexileine möglicherweise notwendig oder sinnvoll ist. Wenn du jedoch die Wahl hast, empfehle ich dir, eine normale Führleine zu verwenden und deinen Hund aufmerksam an lockerer Leine zu führen. Ergänze dies durch ein gutes Rückruftraining und den Einsatz einer Schleppleine, um deinem Hund Bewegungsfreiheit zu geben, während er dennoch abgesichert ist.


Wie würde denn ein vernünftiger Umgang mit dieser Leine aussehen?


Möglich ist das durchaus.

  • Leinenführungstraining an einem normalen, breiten Halsband mit festgestellter, locker durchhängender Flexileine

  • Auslauf an der Flexileine ausschließlich am Brustgeschirr sowie mit Ankündigung ("los")

  • Ankündigung des Stoppens der Flexileine durch ein Signal ("stopp"), um dem Hund die Chance zu geben, sich zu verlangsamen/zum Stehen zu kommen statt einfach von der Flexi unvermittelt gestoppt zu werden

Es geht, ist aber vom Handling her schwieriger als normale Leine plus Schleppleine sowie gutes Rückruftraining!

Die Gefahren des Verletzens sowie des hinterherscheppernden Gehäuses, wenn die Leine doch mal aus der Hand fällt, bleiben jedoch auch bei gutem Handling bestehen.


Daher empfehle ich dir: Nimm eine ganz normale Führleine und trainiere aufmerksames Gehen an lockerer Leine. Bring deinem Hund außerdem bei, sich auch im Freilauf in dir zu orientieren und auf Ruf zuverlässig zu dir zu kommen. Solange dies nicht wirklich sicher etabliert ist oder in gewissen Gebieten (jagdliche Motivation, Brut- und Setzzeit, etc.) schwierig ist, nimm deinen Hund an die Schleppleine, sodass er einen gewissen Bewegungsspielraum hat, aber dennoch abgesichert ist. Lass dich von dem/der Hundetrainer/in deines Vertrauens beraten, welche Stärke, Länge und welches Material die Schleppleine für deinen Hund am besten haben sollte. Und lass dir zeigen, wie du die Schleppleine als zielführendes Arbeitsmittel einsetzen kannst.


Gibt es sinnvolle Alternativen, wenn der Hund sich weiter vom Halter entfernen darf, aber dennoch angeleint sein soll?

Eine Schleppleine ermöglicht es dem Hund, sich ebenso wie bei einer Flexileine weiter vom Halter zu entfernen und dennoch angeleint zu bleiben. Es gibt Schleppleinen in verschiedenen Längen, Breiten und Materialien. Leinen aus Biothane, einem pflegeleichten Kunststoffmaterial, sind weit verbreitet. Für kleine Hunde gibt es dünnere Schnüre, während für größere Hunde breitere Leinen von 1 bis 2 cm Breite empfohlen werden. Beide Varianten sind jedoch dick genug, um bei einer eventuellen Verwicklung des Hundes nicht in die Haut zu schneiden. Sie sind auch gut sichtbar für entgegenkommende Menschen und Hunde, so dass klar erkennbar ist, dass der Hund angeleint ist.

Der Hundehalter kann die Schleppleine in Schlaufen aufwickeln und je nach Bedarf wieder abwickeln, ähnlich wie bei einer Flexileine, um dem Hund unterschiedliche Distanzen zum Menschen zu ermöglichen. Wenn der Hund vorwärts läuft, entsteht kein Zug an der Leine, was das Training der Leinenführigkeit nicht stört. Allerdings erfordert die Handhabung dieser Leine Übung. Der Hund sollte immer so geführt werden, dass die Leine nicht auf dem Boden schleift, da es zu Verletzungen kommen kann, wenn sich die Schleppleine um die Beine des Hundes oder des Menschen wickelt. Dies bedeutet, dass der Halter ständig auf seinen Hund achten muss. Wenn der Hund näher kommt oder stehen bleibt, während der Hund sich annähert, muss der Halter die Leine aufwickeln. Wenn der Hund vorwärts geht, wird die Leine vom Halter abgewickelt. Dies ist zwar anspruchsvoller für den Hundehalter im Vergleich zur Flexileine, bedeutet jedoch auch, dass der Halter ständig mit seinem Hund in Kontakt steht. Beide gehen gemeinsam spazieren und sind miteinander beschäftigt. Natürlich kann man in dieser Situation nicht gleichzeitig auf dem Handy chatten und Nachrichten beantworten, aber das sollte bei einem gemeinsamen Ausflug mit dem Hund auch nicht im Vordergrund stehen!

Das Anhalten des Hundes mit der Schleppleine erfolgt durch Festhalten und kann sanft erfolgen, da der Halter jederzeit durch leichtes Nachgeben der Leine steuern kann. Der direkte Kontakt über die Leine ermöglicht es dem Halter, jederzeit seinen Hund zu spüren und auf kleinste Veränderungen zu reagieren.


Flexileinen und Schleppleinen unterscheiden sich in ihren Eigenschaften und Verwendungszwecken. Hier sind die Hauptunterschiede:

  1. Funktionsweise: Flexileinen sind einziehbar und haben einen Aufrollmechanismus, der es dem Hund ermöglicht, sich innerhalb eines bestimmten Radius um den Halter herum zu bewegen. Die Länge der Leine kann je nach Bedarf angepasst werden. Schleppleinen hingegen sind in der Regel feste Leinen mit einer festen Länge. Der Hund hat eine konstante Leinenlänge und es gibt keinen Aufrollmechanismus. Allerdings können auch Schleppleinen auf eine gewisse Länge eingestellt werden, indem man die Leine näher beim Hund greift.

  2. Kontrolle und Freiheit: Flexileinen bieten dem Hund mehr Bewegungsfreiheit, da sie sich ausdehnen und einziehen können. Sie ermöglichen es dem Hund, weiter zu erkunden, während der Halter immer noch eine gewisse Kontrolle über die Länge der Leine hat. Schleppleinen bieten dem Hund ebenfalls mehr Freiheit als eine kurze feste Leine, sie sind in der Regel länger als Flexileinen und bieten eine größere Reichweite für den Hund.

  3. Training: Schleppleinen werden oft im Training eingesetzt, insbesondere im Bereich der Gehorsamkeit und des Rückrufs. Sie ermöglichen es dem Hund, unter Aufsicht zu üben, ohne dass die Leine ständig gespannt ist. Flexileinen sind weniger für das Training geeignet, da sie dem Hund eine gewisse Zugfreiheit bieten und das Training der Leinenführigkeit erschweren können.

  4. Sicherheit und Kontrolle: Schleppleinen bieten in der Regel eine bessere Kontrolle über den Hund, da sie nicht die elastische Eigenschaft von Flexileinen haben. Sie erlauben es dem Halter, den Hund in kritischen Situationen besser zu führen und zu kontrollieren. Flexileinen können aufgrund der Elastizität und des Aufrollmechanismus weniger Kontrolle bieten und in manchen Situationen möglicherweise unsicher sein.

  5. Anwendungsbereiche: Flexileinen sind eher für den Alltagsgebrauch und Spaziergänge in weniger belebten Gebieten geeignet, in denen der Hund etwas mehr Freiheit haben kann. Schleppleinen werden oft in Situationen verwendet, in denen der Hund eine größere Reichweite benötigt, wie zum Beispiel in Feldern, Wäldern oder bei spezifischen Trainingsübungen.

Gibt es dennoch Situationen, in denen man eine Flexileine verwenden kann?

Der große Vorteil der Flexileine besteht darin, dass sie kaum schmutzig wird, da das Gurtband oder Seil - außer wenn die Feststellmechanik aktiviert ist - niemals den Boden berührt. Aus diesem Grund bevorzugen viele Menschen eine Flexileine gegenüber einer Schleppleine. Außerdem erfordert die Handhabung der Flexileine nicht ständige Auf- und Abwicklung der Leine. Wir verwenden beispielsweise Flexileinen für Hundesenioren. Viele ältere Hunde werden blind oder taub und können nicht mehr frei herumlaufen, da sie sonst den Anschluss verlieren oder eine Gefahr für andere darstellen, wenn sie den Rückruf ihres Menschen nicht wahrnehmen. Ein älterer Hund läuft jedoch selten schnell vor oder zurück, sondern trabt gemächlich hinterher. Daher besteht bei diesen Hunden keine Gefahr, dass sie plötzlich auf entgegenkommende Personen zustürmen und diese sich an dem dünnen Seil der Flexileine verletzen. Probleme mit der Leinenführigkeit sind ebenfalls nicht zu erwarten, da der alte Hund meist in ruhigem Tempo hinter seinem Menschen herläuft.


Fazit: Die Flexileine ist verlockend, aber leider nicht so ideal, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Es ist wichtig, die potenziellen Nachteile zu verstehen und alternative Lösungen wie die Schleppleine in Betracht zu ziehen. Am Ende des Tages ist ein gut erzogener und trainierter Hund das beste "Hilfsmittel", das wir haben können. Also investiere Zeit und Energie in die Beziehung zu deinem Hund, denn das wird langfristig viel wertvoller sein als eine Flexileine.


Mehr zum Thema Flexileinen und vieles Anderes rund um das Thema Hund findest du auch in unserem Podcast! Einfach mal reinhören!

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