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Mein Hund - Mein Follower: wenn der Hund nicht zur Ruhe kommt

In unserer Hundeschule hören wir oft von Hundehaltern, dass ihre Hunde zu Hause nicht zur Ruhe kommen und ihnen ständig hinterherlaufen. Dieses Verhalten kann nicht nur für den Hund, sondern auch für den Halter stressig sein. In diesem Blogbeitrag möchten wir wissenschaftlich fundiert erklären, wie man dieses Verhalten erkennt, welche Ursachen dahinterstecken können und welche Maßnahmen Du ergreifen kannst, um Deinem Hund zu helfen, sich zu entspannen.

Jeder Hund benötigt Ruhe, um zu entspannen. Bis zu zwanzig Stunden am Tag können mit Schlafen und Dösen verbracht werden. Bei Welpen oder Senioren ist das Bedürfnis zu entspannen sogar noch größer. Hunde mit einem ruhigeren Temperament finden auch alleine zur Ruhe. Sie haben ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Anstrengung und Entspannung gefunden. Einige Vierbeiner haben bereits als Welpen gelernt, dass auch Zeiten der Entspannung und Ruhe wichtig sind. Viele Hunde sind jedoch so stark in den Alltag ihres Menschen eingebunden, dass es ihnen schwerfällt, durch Selbstregulation in einen Ruhezustand zu gelangen. Wichtig ist es, dass Hunde bereits im Welpenalter an Ruhe gewöhnt werden und lernen sich selbst zu regulieren. Hunde, die in den ersten Wochen und Monaten bei ihren Menschen bereits lernen, dass sie "in der Nähe sein" lohnt, werden dieses Verhalten weiterhin zeigen.

Dackel auf Couch entspannt

Wenn ein Hund keine Ruhe findet, nimmt seine Nervosität zu. Der Hund kann sich nicht mehr gut konzentrieren und reagiert kaum auf Ansprache. Er jault und zittert, seine Muskeln sind angespannt. Je mehr er sich bewegt, desto unruhiger wird er. Die Aufmerksamkeit des Hundes ist ausschließlich auf das Spiel gerichtet. Wenn der Stress zu groß wird, versucht der Hund, ihn durch Übersprungshandlungen abzubauen. Er kann anfangen, im Boden zu graben, an Menschen hochzuspringen und in die Leine zu beißen. Einige Hunde reagieren in dieser Situation sogar aggressiv auf Berührungen.


Wie erkennt man das Verhalten?

Das Verhalten, dass Dein Hund Dir ständig hinterherläuft und nicht zur Ruhe kommt, kann sich auf verschiedene Weisen äußern:

  • Unruhiges Umherlaufen: Dein Hund läuft ständig durch das Haus und findet keinen Platz, um sich hinzulegen.

  • Ständiges Folgen: Egal, wo Du hingehst, Dein Hund ist immer dicht hinter Dir.

  • Unfähigkeit, sich zu entspannen: Selbst wenn er sich hinlegt, bleibt Dein Hund aufmerksam und springt bei jeder Deiner Bewegungen wieder auf.


Mögliche Ursachen

Das Verhalten, dass Dein Hund Dir überall hin folgt und nicht zur Ruhe kommt, kann verschiedene Ursachen haben. Hier sind einige der häufigsten:

Trennungsangst:

  • Hunde mit Trennungsangst haben große Schwierigkeiten, alleine zu bleiben. Selbst kurze Trennungen können bei ihnen Stress auslösen.

  • Diese Angst kann sich darin äußern, dass der Hund ständig in der Nähe seines Besitzers bleiben möchte.

Mangelnde Auslastung:

  • Hunde, die nicht genügend körperliche und geistige Auslastung bekommen, können unruhig werden.

  • Ein unausgelasteter Hund sucht ständig nach Beschäftigung und folgt Dir möglicherweise in der Hoffnung, etwas Interessantes zu finden.

Falsche Auslastung:

  • Das Spielen von wilden Spielen wie Ballwerfen, Apportieren, Jagdspiele oder mit quietschendem Spielzeug.

  • Diese Spiele können Stress hervorrufen, der dadurch erhöhte Cortisolspiegel kann die Entspannung des Hundes behindern.

  • Zu wilde Spiele tragen nicht zur angemessenen Auslastung des Hundes bei.

Unsicherheit und Angst:

  • Unsichere Hunde suchen oft die Nähe ihres Besitzers, um sich sicherer zu fühlen.

  • Neue Umgebungen, Veränderungen im Haushalt oder unbekannte Geräusche können Unsicherheit und Angst verstärken.

Gewohnheit und Aufmerksamkeitssuche:

  • Manche Hunde haben gelernt, dass sie Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie ihrem Besitzer folgen.

  • Wenn dieses Verhalten regelmäßig belohnt wird, kann es zur Gewohnheit werden.

Gesundheitliche Gründe:

  • Eine Überfunktion der Schilddrüse kann zu Veränderungen im Hormonstoffwechsel führen, die beim Hund Hyperaktivität verursachen. Dadurch findet der Hund keine Ruhe.

  • Hunde, die nachts unruhig sind und ständig herumlaufen, zeigen häufig Anzeichen von Herzerkrankungen.

  • Hunde, die dauerhaft unter Stress leiden, können ebenfalls nicht zur Ruhe kommen, die Auslöser für den Stress können sehr verschiedene Gründe haben.


Maßnahmen zur Verhaltensänderung

Wenn Du feststellst, dass Dein Hund nicht zur Ruhe kommt und Dir ständig folgt, gibt es verschiedene Maßnahmen, die Du ergreifen kannst, um ihm zu helfen:

Training zur Selbstständigkeit:

  • Trainiere Deinen Hund schrittweise darin, alleine zu bleiben. Beginne mit kurzen Zeitspannen und verlängere diese allmählich.

  • Verwende dabei positive Verstärkung, indem Du Deinen Hund belohnst, wenn er ruhig bleibt.

Körperliche und geistige Auslastung:

  • Stelle sicher, dass Dein Hund genügend Bewegung bekommt. Tägliche Spaziergänge, Spielzeiten und Trainingseinheiten sind wichtig.

  • Geistige Stimulation durch Suchspiele, Intelligenzspielzeug und Gehorsamkeitstraining kann ebenfalls helfen.

Sichere Rückzugsorte schaffen:

  • Schaffe für Deinen Hund einen sicheren und gemütlichen Rückzugsort, an dem er sich entspannen kann.

  • Dieser Ort sollte ruhig und fern von stark frequentierten Bereichen des Hauses sein.

Routine und Konsistenz:

  • Hunde fühlen sich sicherer, wenn sie eine feste Routine haben. Versuche, regelmäßige Fütterungs-, Spaziergangs- und Spielzeiten einzuhalten.

  • Konsistente Regeln und Erwartungen helfen Deinem Hund, zu verstehen, was von ihm erwartet wird.

Professionelle Hilfe:

  • Wenn Dein Hund trotz Deiner Bemühungen weiterhin starke Anzeichen von Trennungsangst oder Unruhe zeigt, kann es hilfreich sein, einen professionellen Hundetrainer oder Verhaltensberater zu konsultieren.

  • In manchen Fällen kann auch ein Tierarzt hinzugezogen werden, um medizinische Ursachen auszuschließen.

Pudel liegt entspannt

Kann "ignorieren" das Problem lösen? Es mag Situationen geben, in denen dies zu Erfolgen führen kann, aber der Prozess dauert in der Regel wesentlich länger im Vergleich zu einer positiv stimulierenden Erziehung.

Außerdem verstärkt es oft das zugrunde liegende Problem:

  • Ein ängstlicher Hund gerät eher in Panik.

  • Ein kontrollierender Hund fühlt sich bestätigt, dass man sich auf seinen Schutz verlässt.

  • Ein unausgelasteter Hund wird noch ungeduldiger.


Alternative Trainingstipps:

Türen schließen: Das regelmäßige Schließen der Tür hinter sich kann verhindern, dass der Hund Kontrollzwang ausübt. Es ist jedoch wichtig, wie der Besitzer die Tür schließt, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Es wäre kontraproduktiv, wenn der Hund versucht, sich schnell durch den Türspalt zu zwängen. Obwohl die geschlossene Tür dem Hund folgen verwehrt, bleibt sein Wunsch, seinem Besitzer zu folgen, unverändert bestehen. Diese zwiespältige Situation kann das Stresslevel des Hundes erhöhen, was dazu führt, dass er hektisch an der geschlossenen Tür kratzt oder frustriert fiept, winselt oder bellt.

Wie geht man nun vor?

Beginne damit, klar und deutlich mit deinem Hund zu kommunizieren. Schicke ihn zunächst mit aufrechtem Oberkörper und festem Blick von der offenen Tür weg. Auf diese Weise signalisierst du ihm: "Bleib dort. Ich möchte nicht, dass du mir folgst!" Sobald dein Hund etwa ein bis zwei Meter von der Tür entfernt wartet, wende dich von ihm ab und schließe die Tür ganz entspannt hinter dir. Kehre zeitnah zurück, vorzugsweise wenn dein Hund sich ruhig verhält. Beachte ihn bei deiner Rückkehr nicht übermäßig, um ihr keine besondere Bedeutung beizumessen. Übe diese Methode täglich, damit es deinem Hund immer leichter fällt, sich für eine gewisse Zeit hinter der geschlossenen Tür zu entspannen.


Den Hund begrenzen: Begrenze den Bewegungsradius deines Hundes innerhalb der Wohnung für bestimmte Zeiten des Tages, zum Beispiel auf das Wohnzimmer. Innerhalb des Wohnzimmers darf sich dein Hund frei bewegen, aber er darf es nicht verlassen, auch wenn die Tür offen ist. Wenn dein Hund die Grenze des Zimmers überschreitet, schicke ihn freundlich, aber entschieden zurück ins Wohnzimmer. Sobald dein Hund innehalten und abwarten kann, wende dich ab und beschäftige dich mit anderen Dingen. Nachdem dein Hund dies mehrmals ausprobiert hat, wird er verstehen, dass er das Wohnzimmer scheinbar nicht verlassen darf und sich dort zurückziehen sollte. Es spielt keine Rolle, ob er sich auf dem Boden, dem Teppich oder in seinem Körbchen entspannt. Wichtig ist nur, dass er an seinem gewählten Ruheplatz wirklich zur Ruhe kommt.


Hausleine:

Wenn es dir schwerfällt, dich mit deinem Hund über Körpersprache zu verständigen, kannst du eine dünne Hausleine an ihm befestigen. Diese Hausleine hat keine Handschlaufe und bleibt während deiner Anwesenheit locker hinter deinem Hund her schleifen. Wenn dein Hund deine Grenze überschreitet, nimmst du das Ende der Leine gelassen auf und bringst deinen Hund zurück. Sobald dein Hund dort geduldig wartet, lässt du das Leinenende fallen und wendest dich anderen Dingen zu. Bevor du die Wohnung verlässt, entfernst du die Hausleine, damit sich dein Hund nicht darin verheddert.

Welpe wird gestreichelt

Kontrolliert Dein Hund Dich, wenn er Dir in der Wohnung hinterher läuft? Wenn wir versuchen, hündisches Verhalten zu erklären, suchen wir oft nach menschlichen Vergleichen. Wenn uns ein Mensch ständig folgt, empfinden wir das oft als Kontrolle oder Überwachung. Diese Analogie übertragen wir manchmal auf Hunde und nehmen an, dass sie sich für uns verantwortlich fühlen und uns quasi überwachen, um aufzupassen, was wir tun. Auf dieser Grundlage nehmen wir an, dass der Hund sich als ranghöher betrachtet und daher die Rolle des Kontrolleurs und Beschützers übernimmt.


Was ist die Realität? Die meisten Hunde fühlen sich als Familienmitglieder wohl, wenn sie in der Nähe ihrer Menschen sind. Sie können sich entspannen, sich hinlegen und schlafen oder dösen. Wenn die Bezugsperson den Raum verlässt, können Hunde unruhig werden und sich sogar verlassen fühlen. Sie können nicht einschätzen, dass ihr Mensch nur kurz weg ist, zum Beispiel um zur Toilette zu gehen und die Tür zu schließen. Für das Sicherheitsbedürfnis des Hundes ist es wichtig, dass sich seine Bezugsperson vorhersehbar und kontrollierbar verhält. Der Mensch wird mit Sicherheit, Entspannung und Wohlbefinden verbunden. Diese Sicherheit fehlt, wenn die Bezugsperson den Raum verlässt. Daher ist es wichtig, dass der Hund lernt, entspannt zu bleiben, wenn der Mensch den Raum oder die Wohnung verlässt.


Durch trainierte Signale kann der Hund Vorhersehbarkeit und dadurch Kontrolle über die Situation erlangen. Wenn der Hund weiß, was als Nächstes passieren wird (z. B. dass der Mensch den Raum verlassen wird), gibt ihm das Sicherheit und er kann entspannt bleiben, ohne dem Menschen zu folgen, um sich zu vergewissern, was passiert. Statt zu denken "der Hund ist schuld", sollten wir eher fragen "Wie geht es dem Hund?", "Was bewirkt das beim Hund?" und "Warum macht er das?". Die Antworten sind oft naheliegend.


Wenn wir für den Hund verlässlich und vorhersehbar sind, indem wir unser Handeln ankündigen, gibt ihm das Sicherheit. Der Hund kann sich auf uns verlassen und die Situation wird für ihn kontrollierbar. Er muss nicht mehr selbst nachsehen, was gerade passiert. Er kann entspannt bleiben und dadurch seine Lebensqualität verbessern, indem er weniger (Trennungs-) Stress erfährt. Dies trägt auch zur Entspannung der menschlichen Familienmitglieder im Alltag bei. Selbstverständlich kann das Verhalten deines Hundes dennoch dazu dienen Dich zu kontrollieren, daher ist es besonders wichtig die Körpersprache des Hundes während des Verhaltens zu analysieren und so ein geeignetes Training zu entwerfen. Ein professioneller Hundetrainer sowie einige Videosequenzen des Verhaltens können dir dabei helfen, eine Verbesserung zu erreichen.


Fazit:

Es kann besorgniserregend sein, wenn Dein Hund zu Hause nicht zur Ruhe kommt und Dir ständig folgt. Durch das Erkennen der möglichen Ursachen und das Ergreifen gezielter Maßnahmen kannst Du Deinem Hund helfen, sich zu entspannen und ein ausgeglicheneres Verhalten zu entwickeln. Denke daran, dass Geduld und Konsistenz der Schlüssel zum Erfolg sind. Bei Bedarf steht Dir unser Team in der Hundeschule gerne zur Seite, um individuelle Lösungen zu finden und das Wohlbefinden Deines Hundes zu fördern.

Wenn Du weitere Fragen hast oder eine persönliche Beratung wünschst, zögere nicht, uns zu kontaktieren. Wir sind hier, um Dir und Deinem Hund zu helfen!

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